DEUTSCHLAND | Hamburg/ Schleswig-Holstein

 

Ausbildung im Zeitalter von Industrie 4.0: Erfolgreiche Partnervermittlung für ein ERASMUS+ Projekt

Das Projekt entwickelt im interdisziplinären Austausch mit Partnern aus Deutschland, Norwegen, Estland, Belgien und Dänemark ein grenzübergreifendes und anwendungsfähiges Konzept für das Ausbildungspersonal im Bereich "Industrie 4.0".

Das Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) der Europa-Universität Flensburg (EUF) bildet Lehrerinnen und Lehrer für berufliche Schulen in den Fachrichtungen Metall-, Elektro-, Fahrzeug- und Informationstechnik aus und forscht zu Fragestellungen im Bereich von Technik, (Fach-) Arbeit und Berufsbildung. Im September 2018 starteten zwei ERAMUS+ Projekte zu strategischen Partnerschaften in der Berufsbildung: Netzkompetenz für eine digitalisierte Arbeitswelt (NetKom_4.0) und Transforming Educational Programmes For Future Industry 4.0 Capabilities (TEFFIC). 

Jonas Gebhardt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am biat und an beiden Projekten beteiligt. Im folgenden Interview erläutert er, wie das Institut durch das Enterprise Europe Network Partner im Projekt TEFFIC wurde.

Foto: biat 2019 

 

1.         Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit den Projektpartnern gekommen?

Die Erstkontaktaufnahme zu den dänischen Partnern erfolgte über das Enterprise Europe Network bei der IB.SH, mit Frau Fleischer als Mittlerin, Anfang 2018. Frau Fleischer und ihre Kollegin Frau Pankratz hatte ich zuvor im Zuge meines Vortrags auf dem Deutsch-Dänischen Innovationstag an der Syddansk Universitet in Sonderborg kennenglernt. Auf diesem stellte ich Projektergebnisse des BMBF-Vorhabens PROKOM 4.0 vor, die entsprechend der Veranstaltung international und adressatengerecht präsentiert wurden. Im Nachklang dieses Treffens wurden meine Person und das Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) an der Europa-Universität Flensburg (EUF) an eine Kollegin des Enterprise Europe Network aus Dänemark weitergleitet, die auf der Suche nach potentiellen Projektpartnern für das ERASMUS+ Vorhaben TEFFIC - Transforming Educational Programmes For Future Industry 4.0 Capabilities war. Frau Fleischer war aufgefallen, wie gut sich PROKOM 4.0 und TEFFIC ergänzen könnten. Es kam zu ersten Skype-Meetings mit den Projekt-Initiatoren des University College of Northern Denmark (UCN) aus Aalborg und zu einem inhaltlichen Kennenlernen und Analysieren der Forschungsgebiete und Kompetenzen im Umfeld von Industrie 4.0. Die Partnerschaft wurde im Herbst 2018 mit der Bewilligung des Förderantrags und dem Beginn von TEFFIC besiegelt, mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem Volumen von ca. 450.000€.

2. Welche Rolle nehmen Sie konkret im Projekt ein?

Auf einer Mikroebene bin ich als Projektverantwortlicher und wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Durchführung der Arbeitspakete zuständig. Auf einer Mesoebene ist das biat an der EUF zuständig für die Entwicklung und Durchführung zukunftsgewandter Bildungsangebote im Umfeld von Industrie 4.0 und Digitalisierung. Als einer von sechs Partnern aus Belgien, Norwegen, Dänemark und Estland repräsentieren das biat und das Netzwerk des biat nicht nur die Institution und die Region, sondern versuchen auch den Status quo in Schleswig-Holstein und Deutschland in diesem Konsortium darzustellen. Und auf der Makroebene sind wir neben der Durchführung eigener Maßnahmen auch für die Zusammenführung der Erkenntnisse  verantwortlich.

3. Welche Vorteile sehen Sie in der internationalen Zusammenarbeit?

Im Umfeld von Internationalisierung und Informatisierung von Berufswelt und Gesellschaft im Kontext von Industrie 4.0 dürfen Bildung und Weiterbildung nicht mehr durch die rein nationale Brille betrachtet werden. Zukunftsorientierte Bildung, im Besonderen auch schon immer ein Charakter der Berufsbildung, und Wirtschaft verschmelzen zunehmend über Ländergrenzen hinweg - wie es die Informations- und Kommunikationstechnologien durch alle Disziplinen, Gewerke und Qualifikationen bereits tun.  

4. Wo liegen die Schwierigkeiten im Vergleich zu Projekten mit ausschließlich deutschen Partnern?

Die Schwierigkeit liegt, konkret bei TEFFIC, in den unterschiedlichen Bildungssystemen und Fachtermini. Im internationalen sowie im interdisziplinären Forschungsprozess ist dies jedoch stets ein Prozess des gemeinsamen Aushandelns und Nachvollziehens, damit Vergleichbarkeiten generiert werden um Synergien zu erkennen. 

5. Haben Sie einen Tipp für Forschende, die sich erstmals an EU-Projekten beteiligen möchten?

Festanstellungen von Mitarbeitern entlasten die Projektarbeit und Antragsstellung ungemein ;-). Offen für scheinbar nichtvereinbare Themen sein: Das Industrie 4.0-Umfeld erweitert den Bedarf an Interdisziplinarität, es kann alle Institutionen und Betriebe einbeziehen. Ob der Gestaltungswille und das Engagement im internationalen Umfeld jedoch auch über das Wachsen und Zusammenwachsen von Netzwerken und über das Aushängeschild der internationalen Projekt-Teilnahmen hinausgehen, liegt letztendlich immer am teilhabenden Partner selbst.

Datum

Kategorie

Hamburg / Schleswig-Holstein Lokalnachrichten

Soziale Medien